Schwarm vom Imker

Bienenschwarm kaufen – ein Bienenvolk auf natürliche Weise

Wenn ein Bienenvolk in Schwarmstimmung gerät, verlässt es innerhalb weniger Minuten mit oft mehreren Tausend Bienen seinen bisherigen Stock. Angeführt wird der Ausflug von der Königin, die zuvor gezielt „abgespeckt“ hat, denn nur schlank genug ist sie überhaupt noch flugfähig. Was für Außenstehende spektakulär aussieht, ist für Honigbienen ein völlig natürlicher Vorgang: Durch das Schwärmen vermehrt sich nicht die einzelne Biene, sondern das ganze Volk.

Für Imker kann ein eingefangener Naturschwarm deshalb eine Möglichkeit sein, den eigenen Völkerbestand zu erweitern. Anders als beim Bienenableger bekommt man dabei weder Waben noch Brut. Der Schwarm beginnt in seiner neuen Behausung praktisch bei null.

Was ist ein Bienenschwarm?

Ein Bienenschwarm entsteht durch die natürliche Teilung eines bestehenden Bienenvolkes. Gerät ein starkes Volk in Schwarmstimmung, ziehen die Arbeiterinnen neue Königinnen heran. Kurz bevor die erste davon schlüpft, verlässt die bisherige Königin mit einem großen Teil der flugfähigen Bienen den Stock.

Mehrere Tausend Bienen machen sich dann gemeinsam auf die Suche nach einer neuen Behausung. Futtervorräte nehmen sie in ihren Honigblasen mit, Waben und Brut dagegen natürlich nicht. Genau das macht den Naturschwarm zu etwas Besonderem: Er bringt seine Bienen und seine Königin mit, alles andere muss am neuen Standort erst entstehen.

Warum schwärmen Honigbienen?

Schwärmen ist kein Fehlverhalten und auch nicht einfach die Folge eines zu klein gewordenen Bienenstocks, sondern Teil der natürlichen Vermehrungsstrategie der Honigbiene. Während sich einzelne Bienen durch die Eiablage der Königin vermehren, sorgt das Schwärmen für die Vermehrung des ganzen Volkes: Aus einem Volk werden zwei, mitunter auch mehr.

Ob ein Volk tatsächlich schwärmt, hängt von vielen Faktoren ab – Volksstärke, Platzangebot, Tracht, Wetter, Genetik, das Alter der Königin und nicht zuletzt die Betriebsweise des Imkers spielen dabei eine Rolle. Viele Imker versuchen deshalb, das unkontrollierte Schwärmen ihrer Völker zu verhindern, denn mit dem Schwarm verlässt ein erheblicher Teil der Bienen, des bereits gesammelten Honigs den Stock und die Leistungsfähigkeit des zurückbleibenden Volkes sinkt spürbar.

Wann ist Schwarmzeit?

Die klassische Schwarmzeit liegt in Deutschland vor allem im Frühjahr und Frühsommer. Je nach Region, Wetter und Entwicklung der Völker beginnt sie häufig im April oder Mai und reicht bis in den Juni – vereinzelt kommen auch spätere Schwärme vor. Grundsätzlich gilt: Je früher im Jahr ein Schwarm entsteht, desto mehr Zeit bleibt ihm, sich zu einem starken, winterfesten Volk zu entwickeln.

Ein alter Imkerspruch bringt genau das recht anschaulich auf den Punkt:

„Ein Schwarm im Mai gilt ein Fuder Heu, ein Schwarm im Juni ein fettes Huhn, ein Schwarm im Juli kein‘ Federspul‘.“

Mit anderen Worten: Ein Schwarm verliert von Monat zu Monat an Wert. Ein Maischwarm ist so kostbar wie ein ganzer Wagen Heu, ein Junischwarm nur noch so viel wie ein Huhn und ein Juli-Schwarm ist kaum mehr wert als eine leere Federspule. Wertlos ist ein später Schwarm deshalb aber nicht automatisch, er braucht nur meist deutlich mehr Unterstützung, um noch ausreichend Waben zu bauen, Brut aufzuziehen und Wintervorräte anzulegen.

Was passiert nach dem Auszug?

Nach dem Verlassen des Stocks zieht ein Schwarm normalerweise nicht sofort in sein endgültiges Zuhause ein. Die Bienen sammeln sich zunächst in der Umgebung, oft als dichte Traube an einem Ast oder Strauch, wo sie einige Stunden oder auch länger verweilen. In dieser Zeit sind sogenannte Spurbienen unterwegs und suchen nach geeigneten Nistmöglichkeiten. Haben sich die Bienen für einen neuen Standort entschieden, löst sich die Traube auf und das ganze Volk fliegt gemeinsam dorthin.

Für einen Imker ist genau diese Zwischenstation die Gelegenheit, den Schwarm einzufangen und ihm eine Beute als neues Zuhause anzubieten.

Vorschwarm und Nachschwarm – wo liegt der Unterschied?

Nicht jeder Naturschwarm ist gleich. Der erste Schwarm eines Volkes wird als Vorschwarm bezeichnet. Mit ihm zieht in der Regel die alte, bereits begattete Königin aus. Vorschwärme können sehr groß und leistungsfähig sein, weil die Königin schon begattet ist, kann sie nach dem Einzug und dem Bau der ersten Waben vergleichsweise schnell wieder mit der Eiablage beginnen.

Danach können weitere Schwärme folgen, die sogenannten Nachschwärme. Sie sind meist kleiner und ziehen mit einer jungen Königin aus, die sich erst noch auf ihren Begattungsflug begeben muss, bevor sie legen kann. Für den Aufbau eines neuen Volkes kann dieser Unterschied durchaus eine Rolle spielen.

Vergleich von Paketbienen, Ableger, Kunstschwarm und Naturschwarm nach Bienen, Königin, Brut, Waben, Futtervorräten und weiteren Merkmalen.
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Vom Bienenschwarm zum neuen Bienenvolk

Ein eingefangener Schwarm wird vom Imker in eine geeignete Beute eingeschlagen. Dort beginnt eine besonders spannende Phase: Schwarmbienen haben einen ausgeprägten Bautrieb und beginnen unter passenden Bedingungen sehr schnell, neue Waben zu errichten. Der Imker kann ihnen dafür Mittelwände oder Anfangsstreifen anbieten oder sie im Naturbau arbeiten lassen. Sobald geeignete Zellen vorhanden sind, kann die begattete Königin mit der Eiablage beginnen – Schritt für Schritt entstehen so Brutnest, Futtervorräte und schließlich ein vollständiges neues Bienenvolk.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Naturschwarm?

Ein besonderer Vorteil liegt im vollständigen Neubeginn: Mit einem Naturschwarm werden keine alten Waben übernommen, die Bienen errichten ihr gesamtes Wabenwerk neu. Gleichzeitig gibt es zunächst keine verdeckelte Brut – diese Brutpause kann fürs Varroamanagement interessant sein, denn Varroamilben vermehren sich in verdeckelten Brutzellen. Hinzu kommt der starke natürliche Bautrieb des Schwarms. Und schließlich ist ein Naturschwarm genau das, was sein Name sagt: auf natürliche Weise durch die Entscheidung des Bienenvolkes entstanden, nicht künstlich vom Imker zusammengestellt.

Auf der anderen Seite kennt man bei einem fremden oder herrenlos aufgefundenen Schwarm dessen Vorgeschichte häufig nicht: woher das Volk stammt, wie alt die Königin ist, welche Eigenschaften und wie schwarmfreudig ihre Genetik ist oder wie es um die Bienengesundheit steht, lässt sich nicht immer beantworten. Außerdem startet der Schwarm ohne Brut, Waben und eingelagertes Futter und muss sein neues Zuhause komplett aufbauen; besonders bei spät im Jahr gefangenen Schwärmen kann deshalb zusätzliche Unterstützung nötig sein. Und auch ein Naturschwarm ist nicht automatisch frei von Varroamilben oder Krankheitserregern – die Brutpause bietet zwar gute Voraussetzungen fürs Varroamanagement, ersetzt aber keine Kontrolle durch den Imker.

Naturschwarm oder Kunstschwarm?

Die Begriffe sollten nicht verwechselt werden. Ein Naturschwarm entsteht aus dem natürlichen Schwarmtrieb eines Bienenvolkes – die Bienen entscheiden selbst, den bisherigen Stock zu verlassen, der Imker fängt diesen Schwarm lediglich ein. Ein Kunstschwarm dagegen wird gezielt vom Imker gebildet: Dafür werden Arbeiterinnen aus einem oder mehreren Völkern entnommen und mit einer Königin zu einem neuen Volk zusammengestellt. Beide starten ohne Brutwaben und können ein vollständig neues Wabenwerk errichten, ihre Entstehung ist jedoch grundverschieden.

Bienenschwarm, Ableger oder Paketbienen?

Wer ein neues Bienenvolk erwerben möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Ein Bienenableger wird vom Imker aus einem bestehenden Volk gebildet, enthält bereits Waben, Brut und meist auch Futter – die Entwicklung des neuen Volkes hat damit gewissermaßen schon begonnen. Ein Naturschwarm besteht dagegen nur aus der ausgeschwärmten Königin und ihren Bienen; Waben und Brut fehlen komplett und werden am neuen Standort vollständig neu aufgebaut. Auch Paketbienen kommen ohne Waben und Brut, im Unterschied zum Naturschwarm handelt es sich aber um eine vom Imker zusammengestellte, meist nach Gewicht bemessene Menge Bienen, der gezielt eine Königin zugesetzt wird. Welche Variante am besten passt, hängt von den eigenen Zielen, der Jahreszeit, der imkerlichen Erfahrung und dem verfügbaren Angebot ab.

Worauf sollte man beim Kauf eines Bienenschwarms achten?

Wer einen Bienenschwarm kaufen oder übernehmen möchte, sollte möglichst viel über dessen Herkunft in Erfahrung bringen. Die wichtigste Frage zuerst: Handelt es sich wirklich um einen Naturschwarm oder eher um einen Kunstschwarm bzw. um Paketbienen? Darüber hinaus lohnt es sich nachzufragen, wann der Schwarm gefangen wurde, ob seine Herkunft bekannt ist und ob es sich um einen Vor- oder Nachschwarm handelt.

Auch die Königin verdient einen genauen Blick: Ist sicher eine vorhanden, ist sie gezeichnet und ist ihr Alter bekannt? Dazu kommen die Größe bzw. das Gewicht des Schwarms, der Stand der Varroabehandlung, Informationen zum allgemeinen Gesundheitsstatus und schließlich die Frage, ob sich der Schwarm noch in einer Schwarmkiste befindet oder bereits in eine Beute eingeschlagen wurde. Je mehr davon bekannt ist, desto besser lässt sich die weitere Entwicklung des Volkes einschätzen.

Bienengesundheit und rechtliche Vorgaben beachten

Auch beim Kauf oder der Übernahme eines Bienenschwarms spielt die Bienengesundheit eine wichtige Rolle. Besondere Bedeutung hat dabei die Amerikanische Faulbrut: Für das Verbringen von Bienen gelten die Vorgaben der Bienenseuchen-Verordnung und je nach Situation und Region können etwa Gesundheitsbescheinigungen erforderlich sein. Vor dem Kauf – erst recht vor einem Transport über größere Entfernungen – sollte deshalb geklärt werden, welche Vorgaben am Herkunfts- und am Zielort gelten und ob dort möglicherweise ein Sperrbezirk besteht. Im Zweifel gibt die zuständige Veterinärbehörde Auskunft.

Ansammlung verendeter Honigbienen vor einem Bienenstock
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Ist ein Bienenschwarm gefährlich?

Eine große Traube aus Tausenden Bienen kann auf den ersten Blick beunruhigend wirken, doch ein frisch ausgezogener Schwarm ist meist erstaunlich friedlich. An seinem Zwischenstandort gibt es weder Brut noch Honigvorräte zu verteidigen, die Aufmerksamkeit der Bienen gilt vor allem der Königin und der Suche nach einer neuen Behausung. Stechen können sie trotzdem! Wer einen Schwarm entdeckt, sollte ihn deshalb nicht selbst stören oder mit Wasser, Rauch oder anderen Mitteln vertreiben, sondern lieber einen Imker oder erfahrenen Schwarmfänger verständigen.

Was passiert, wenn ein Bienenschwarm nicht eingefangen wird?

Wird ein Schwarm nicht eingefangen, verschwindet er normalerweise irgendwann von selbst – allerdings nicht zwangsläufig aus der Umgebung. Die Spurbienen suchen nach einem geeigneten Hohlraum, in der Natur wären das etwa ausreichend große Baumhöhlen. Solche Nistmöglichkeiten sind heute vielerorts knapp, weshalb Schwärme auch in Rollladenkästen, Fassaden, Dachbereichen oder anderen Hohlräumen an Gebäuden einziehen können. Das heißt aber nicht, dass ein sich selbst überlassenes Volk dauerhaft überlebt – vor allem Varroamilben und die mit ihnen verbundenen Virusinfektionen sind für wild lebende Honigbienenvölker eine erhebliche Belastung.

Bienenschwärme von Imkern in der Nähe finden

Wer einen Bienenschwarm kaufen oder ein neues Bienenvolk übernehmen möchte, muss dafür nicht zwangsläufig weit fahren. Gerade während der Schwarmzeit fallen bei Imkern immer wieder Naturschwärme an, die ein neues Zuhause suchen. Über Imker-Finder.de findest du Imker in deiner Region und kannst direkt Kontakt aufnehmen – frag einfach nach, ob aktuell ein Naturschwarm vom Imker verfügbar ist und welche Informationen zu Herkunft, Königin und Gesundheitsstatus vorliegen.

So kann aus einigen Tausend Bienen, die gemeinsam einen alten Bienenstock verlassen haben, schon bald ein neues Bienenvolk am eigenen Bienenstand werden.

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