Bienengift – Das seltenste Produkt aus dem Bienenvolk
Was ist Bienengift?
Eine Arbeiterbiene produziert in ihrem gesamten Leben gerade einmal 0,1 Milligramm flüssiges Gift. Für ein einziges Gramm getrocknetes Apitoxin – so der wissenschaftliche Name – braucht man die Abwehrstiche von zehntausenden Bienen. Kaum ein anderer Naturstoff ist so aufwendig zu gewinnen und gleichzeitig so intensiv erforscht wie dieses winzige Sekret, das eigentlich nur einem einzigen Zweck dient: der Verteidigung des Bienenvolkes.
Chemisch betrachtet ist Bienengift ein bemerkenswertes Gemisch aus über 100 verschiedenen Inhaltsstoffen. Der Hauptbestandteil ist Melittin, das rund 40 bis 60 Prozent des getrockneten Giftes ausmacht und für die charakteristische Wirkung auf Zellmembranen verantwortlich ist. Daneben enthält Apitoxin Apamin, das auf das Nervensystem wirkt, sowie Phospholipase A₂ und Hyaluronidase, zwei Enzyme, die das Eindringen des Giftes ins Gewebe begünstigen. Adolapin, ein weiterer Wirkstoff, wird in der Forschung wegen möglicher entzündungshemmender Eigenschaften untersucht. Es ist diese Kombination aus Peptiden, Enzymen und Eiweißen, die Bienengift für die Wissenschaft so interessant macht – und die es gleichzeitig für Menschen mit einer Allergie so gefährlich werden lässt.
Wie gewinnen Imker Bienengift?
Die Gewinnung unterscheidet sich grundlegend von der Ernte anderer Bienenprodukte. Eine spezielle Glasplatte mit feinen Drähten wird am Bienenvolk angebracht; kurze, schwache elektrische Impulse regen die Bienen dazu an, einen Abwehrstich gegen die Glasoberfläche auszuführen. Das Gift bleibt dort zurück, trocknet zu einer dünnen Schicht und wird anschließend sorgfältig abgekratzt und gereinigt. Da der Stachel nicht in der Glasplatte hängen bleibt, überleben die Bienen diesen Vorgang – dennoch erfolgt die Gewinnung nur sehr behutsam und in begrenztem Umfang, um die Völker so wenig wie möglich zu belasten.
Der Aufwand erklärt, warum nur sehr wenige Imker überhaupt Bienengift anbieten. Es erfordert spezielles Equipment, viel Erfahrung im Umgang mit den Völkern und einen verantwortungsvollen Rahmen. Die gewonnenen Mengen sind gering, der Preis entsprechend hoch.
Wofür wird Bienengift verwendet?
Medizinische Forschung
Die Inhaltsstoffe des Bienengifts werden weltweit intensiv untersucht, besonders Melittin steht im Fokus. Forschungsarbeiten beschäftigen sich unter anderem mit möglichen Anwendungen bei entzündlichen Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen und chronischen Schmerzen. Viele dieser Ansätze befinden sich noch in frühen Forschungsphasen; für zahlreiche Anwendungsgebiete gibt es bislang keine allgemein anerkannte therapeutische Empfehlung.
Apitherapie
Die Apitherapie nutzt verschiedene Bienenprodukte therapeutisch – neben Honig, Propolis, Blütenpollen, Gelée Royale und Bienenwachs kommt dabei teilweise auch Bienengift zum Einsatz, entweder verarbeitet in Salben, Cremes und medizinischen Präparaten oder in Form natürlicher Bienenstiche. Schon seit Jahrhunderten berichten Menschen davon, gezielt Stiche zur Linderung von Gelenkbeschwerden, Rheuma oder Arthrose einzusetzen. Die wissenschaftliche Datenlage zu diesen traditionellen Anwendungen ist jedoch uneinheitlich; wer eine solche Behandlung in Betracht zieht, sollte dies ausschließlich nach ärztlicher Beratung tun.
Kosmetik
Auch in der Kosmetikindustrie findet Apitoxin Verwendung, meist in sehr geringen Mengen in ausgewählten Hautpflegeprodukten. Die enthaltenen Konzentrationen dienen ausschließlich kosmetischen Zwecken.
Ist Bienengift gefährlich?
Für die meisten Menschen verursacht ein Bienenstich lediglich eine schmerzhafte, örtlich begrenzte Reaktion. Bei Personen mit einer Bienengiftallergie jedoch kann bereits ein einziger Stich eine schwere allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen (Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.). Wer nach einem Stich Atemnot, Kreislaufprobleme oder rasch zunehmende Schwellungen entwickelt, sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Bienengift ist ein Wirkstoff – er sollte entsprechend behandelt werden.
Warum ist Bienengift so selten?
Neben dem hohen Gewinnungsaufwand spielen auch die Völkergesundheit und die begrenzte Nachfrage eine Rolle. Verantwortungsvoll arbeitende Imker gewinnen Bienengift nur dann, wenn die Völker stark und gesund genug sind, und auch dann nur in kleinen Mengen. Das macht Apitoxin zu einem der seltensten Produkte, die eine Imkerei überhaupt anbieten kann.
Interessante Fakten über Bienengift
- Eine Arbeiterbiene besitzt nur etwa 0,1 Milligramm Bienengift – ihr gesamter Lebensvorrat.
- Melittin macht rund 40 bis 60 Prozent des getrockneten Bienengifts aus.
- Für ein Gramm getrocknetes Apitoxin sind die Abwehrstiche vieler zehntausend Bienen erforderlich.
- Bienengift zählt zu den am intensivsten erforschten Naturstoffen aus dem Bienenvolk.
- Nur ein kleiner Bruchteil aller Imker gewinnt überhaupt Bienengift.
Bienengift vom Imker
Bienengift gehört zu den wenigen Bienenprodukten, die man nicht einfach im Supermarkt findet – und das aus gutem Grund. Die Gewinnung ist anspruchsvoll, die Mengen sind klein und nur wirklich spezialisierte Imkereien bieten es an. Wer einen der seltenen Imker sucht, der Apitoxin oder apitherapeutische Anwendungen anbietet, findet auf Imker-Finder.de den richtigen Ausgangspunkt.
Wer ein solches Produkt direkt beim Imker bezieht, kann sicher sein, dass es handwerklich und mit Rücksicht auf die Völker gewonnen wurde – ein Qualitätsmerkmal, das bei einem Stoff wie Bienengift besonders zählt.
Häufige Fragen zu Bienengift
Kann man Bienengift kaufen?
Ja, aber das Angebot ist sehr begrenzt. Nur wenige spezialisierte Imkereien gewinnen und verkaufen Bienengift oder daraus hergestellte Produkte. Auf Imker-Finder.de können Sie gezielt nach Imkern in Ihrer Nähe suchen.
Wie wird Bienengift medizinisch eingesetzt?
In der Apitherapie wird es in Form von Salben, Cremes oder natürlichen Stichen angewendet. Für therapeutische Anwendungen ist immer eine ärztliche Beratung erforderlich.
Ist Bienengift dasselbe wie Apitoxin?
Ja. Apitoxin ist die wissenschaftliche Bezeichnung für das Gift der Honigbiene (Apis mellifera). Beide Begriffe beschreiben denselben Stoff.
Wie reagiert man auf Bienengift, wenn man allergisch ist?
Eine Bienengiftallergie kann zu schweren Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock führen (DEUTSCHE ÄRZTEBLATT). Personen mit bekannter Allergie sollten einen Allergologen aufsuchen und stets ein Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor) bei sich tragen.
Kann ich mich gezielt stechen lassen?
Einige Menschen lassen sich bewusst von Bienen stechen. Diese traditionelle Form der Apitherapie wird teilweise bei Beschwerden wie:
- Gelenkschmerzen,
- Arthrose,
- Rheuma,
- chronischen Schmerzen
angewendet.
Wichtig ist jedoch:
Für viele dieser Anwendungen gibt es bislang keinen allgemein anerkannten wissenschaftlichen Nachweis einer gesicherten Wirksamkeit. Wer eine solche Behandlung in Betracht zieht, sollte dies nur nach ärztlicher Beratung tun.
Medizin-Disclaimer
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Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.
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