Imkerarbeiten im Sommer: Wie aus Honigernte in wenigen Wochen Winterarbeit wird
Ein Bienenvolk, das im Juni noch auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung steht und Honigraum um Honigraum füllt, kann bereits im August unbemerkt eine erhebliche Varroabelastung tragen. Dabei sieht der Imker äußerlich noch das Bild eines starken, gesunden Volkes. Genau dieser Widerspruch macht den Sommer zu einer der anspruchsvollsten Phasen im Bienenjahr: Draußen wirkt vieles wie Hochsaison, drinnen beginnt längst die Vorbereitung auf den Winter.
Noch werden Honigräume gefüllt und die letzten Trachten genutzt, wenig später stehen Honigernte, Varroakontrolle und Auffütterung im Mittelpunkt. Die Imkerarbeiten im Sommer entscheiden deshalb nicht nur darüber, wie die Honigernte ausfällt. Sie haben großen Einfluss darauf, wie gesund und stark ein Bienenvolk in den Herbst und später in den Winter geht.
Dabei gibt es keinen festen Kalender, der für jede Imkerei gleichermaßen gilt. Standort, Höhenlage, Wetter, Trachtangebot und Betriebsweise können die Arbeiten um mehrere Wochen verschieben. Während in einer Region bereits abgeschleudert wird, tragen die Bienen andernorts noch Sommer- oder Waldhonig ein. Viele der hier beschriebenen Arbeiten laufen fließend in die Imkerarbeiten im Herbst hinein.
Imkerarbeiten im Sommer: Was steht wann an?
Grob lässt sich der imkerliche Sommer in drei Phasen einteilen:
Zeitraum | Situation im Bienenvolk | Wichtige Imkerarbeiten |
Juni | sehr starke Völker, häufig noch Schwarmtrieb und Tracht | Schwarmkontrolle, Honigräume kontrollieren und erweitern |
Juli | viele Haupttrachten enden, Honig wird reif | Honigernte, Abschleudern, Varroabefall kontrollieren |
August | Volksstärke nimmt langsam ab, Winterbienen entstehen | Varroabehandlung, Auffütterung, Volksstärke und Königin kontrollieren |
Diese Zeitangaben sind nur eine Orientierung. In der Imkerei bestimmt nicht der Kalender allein, wann eine Arbeit notwendig wird, sondern vor allem die Entwicklung des jeweiligen Bienenvolkes und die Natur rund um den Bienenstand.
Starke Bienenvölker im Frühsommer
Zu Beginn des Sommers befinden sich viele Bienenvölker auf oder nahe dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Zehntausende Arbeiterinnen leben im Volk, große Brutflächen müssen versorgt werden und bei guter Tracht wird gleichzeitig Nektar in großen Mengen eingetragen. Für den Imker bedeutet das: Die Völker brauchen Platz. Sind Brutraum und Honigräume überfüllt, kann dies den Schwarmtrieb begünstigen. Gleichzeitig darf eingetragener Nektar nicht dazu führen, dass der Königin zunehmend Platz für die Eiablage fehlt.
Nach der Sommersonnenwende verändert sich die Entwicklung langsam. Die Tage werden wieder kürzer und die Brutflächen nehmen im weiteren Verlauf des Sommers tendenziell ab. Auch die Zahl der Drohnen geht zurück. Später werden die Drohnen nicht mehr im Volk geduldet und aus dem Bienenstock gedrängt – die sogenannte Drohnenschlacht. Für das Bienenvolk beginnt damit bereits die Vorbereitung auf den Winter.
Schwarmkontrolle endet nicht mit dem Frühling
Die Hauptschwarmzeit liegt zwar im Frühjahr und Frühsommer, doch auch im Juni und abhängig von Region und Volksentwicklung darüber hinaus können Bienenvölker noch schwärmen. Starke Völker sollten deshalb weiterhin auf Schwarmstimmung kontrolliert werden. Anzeichen können unter anderem angesetzte Weiselzellen, sehr dicht besetzte Waben oder eine nachlassende Legetätigkeit der Königin sein.
Zeigt ein Volk deutliche Schwarmstimmung, reicht es häufig nicht aus, lediglich vorhandene Weiselzellen zu entfernen. Entscheidend ist, die Ursache zu berücksichtigen. Je nach Betriebsweise können beispielsweise zusätzlicher Raum, die Bildung eines Ablegers oder eine Schwarmvorwegnahme geeignete Maßnahmen sein. Mit fortschreitendem Sommer nimmt der Schwarmtrieb normalerweise deutlich ab. Gleichzeitig verändert sich die Arbeit am Bienenvolk: Die Honigernte rückt immer stärker in den Mittelpunkt.
Tracht und Honigräume kontrollieren
Welche Trachten die Bienen im Sommer nutzen können, unterscheidet sich regional erheblich. Linde, Edelkastanie, Brombeere und verschiedene Sommerblüten können ebenso eine Rolle spielen wie Honigtau und damit eine mögliche Waldtracht. Auch das Wetter entscheidet darüber, ob Pflanzen tatsächlich Nektar liefern. Eine vermeintlich sichere Tracht kann durch Trockenheit, Hitze oder ungünstige Witterung erheblich schwächer ausfallen.
Während einer guten Tracht müssen die Honigräume regelmäßig kontrolliert werden. Ist kaum noch freier Platz vorhanden, kann ein weiterer Honigraum notwendig werden. Dabei benötigen Bienen mehr Platz als allein für den fertig eingelagerten Honig: Frisch eingetragener Nektar enthält viel Wasser und beansprucht während seiner Verarbeitung entsprechend Raum. Erst durch die weitere Verarbeitung und Verdunstung entsteht daraus reifer Honig.
Bienen bei Hitze und ihr Wasserbedarf
Heiße Sommertage stellen Bienenvölker vor eine besondere Herausforderung. Vor allem der Brutbereich muss innerhalb eines relativ engen Temperaturbereichs gehalten werden. Die Bienen können die Temperatur im Stock aktiv regulieren: Arbeiterinnen erzeugen mit ihren Flügeln Luftbewegung und verteilen eingetragenes Wasser, durch dessen Verdunstung Kühlung entsteht.
An sehr warmen Tagen sitzen manchmal große Mengen Bienen außen an der Beute. Dieses als Bienenbart bezeichnete Verhalten sieht spektakulär aus, ist aber nicht automatisch ein Zeichen für ein Problem. Indem ein Teil der Bienen den Stock verlässt, wird unter anderem die Wärmelast im Inneren reduziert. Der Imker sollte darauf achten, dass die Fluglöcher nicht unnötig behindert werden und den Bienen eine erreichbare Wasserquelle zur Verfügung steht. Wo natürliche Wasserstellen fehlen, kann eine Bienentränke sinnvoll sein. Schwimmende oder herausragende Landemöglichkeiten verhindern, dass die Bienen im Wasser ertrinken.
Wann ist der Honig reif?
Volle Honigwaben bedeuten noch nicht automatisch, dass der Honig geerntet werden kann. Frisch eingetragener Nektar enthält zunächst sehr viel Wasser. Die Bienen verarbeiten ihn und reduzieren seinen Wassergehalt, bevor sie reifen Honig schließlich in der Regel mit einer dünnen Wachsschicht verdeckeln. Großflächig verdeckelte Honigwaben sind deshalb ein wichtiger Hinweis auf die Reife des Honigs, eine Garantie sind sie jedoch nicht.
Zur Beurteilung können Imker unter anderem die sogenannte Spritzprobe durchführen. Noch zuverlässiger lässt sich der Wassergehalt mit einem Refraktometer bestimmen. Ein ausreichend niedriger Wassergehalt ist für die Haltbarkeit des Honigs entscheidend: Enthält Honig zu viel Wasser, steigt die Gefahr, dass er zu gären beginnt. Die Honigverordnung erlaubt bis zu 20% Wasser, mach andere freiwillige Qualitätsrichtlinien setzen die Grenze bei 18%.
Honig ernten und schleudern
Für viele Menschen ist die Honigernte der Höhepunkt des Imkerjahres. Für den Imker beginnt mit dem Abnehmen der Honigräume allerdings erst ein mehrstufiger Arbeitsprozess. Zunächst müssen die Bienen möglichst schonend von den Honigwaben getrennt werden, etwa mithilfe von Bienenfluchten. Anschließend werden die Honigwaben bienendicht zum Schleuderraum transportiert.
Dort werden die Zelldeckel entfernt und die Waben geschleudert. Der austretende Honig wird anschließend gesiebt bzw. geklärt und bis zur weiteren Verarbeitung sachgerecht gelagert. Da Honig ein Lebensmittel ist, hat bei allen Arbeitsschritten die Hygiene eine entsprechend große Bedeutung: Geräte, Behälter und Arbeitsflächen müssen sauber und für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sein. Je nach Tracht und Region kann es mehrere Honigernten im Jahr geben.
Abschleudern – die letzte Honigernte verändert alles
Eine besondere Bedeutung hat die letzte Honigernte des Jahres, das sogenannte Abschleudern. Wann abgeschleudert wird, hängt vom Standort und der genutzten Tracht ab. Für den Ablauf des Bienenjahres markiert dieser Zeitpunkt jedoch einen entscheidenden Wendepunkt. Bis dahin richtet sich ein erheblicher Teil der Imkerarbeiten auf Schwarmkontrolle, Trachtnutzung und Honiggewinnung. Danach lautet die Reihenfolge vereinfacht:
Abschleudern → Varroakontrolle → Varroabehandlung → Auffütterung → Vorbereitung auf den Winter
Damit endet zwar die Honigsaison, keineswegs aber die Arbeit des Imkers. Im Gegenteil: Nun beginnt eine Phase, die entscheidend dafür sein kann, wie gut das Volk den kommenden Winter übersteht.
Ausgeschleuderte Honigwaben richtig behandeln
Nach dem Schleudern enthalten die Waben noch Honigreste. Sie können den Bienenvölkern zum Ausschlecken gegeben werden. Dabei ist eine räubereiarme Arbeitsweise wichtig, z.B. sollten Honigwaben nicht einfach offen am Bienenstand stehen. Anschließend werden die Honigwaben trocken und bienendicht eingelagert. Dabei muss auch an die Wachsmotte gedacht werden, denn besonders ältere, bereits bebrütete Waben sind für sie attraktiv.
Die Sommermonate eignen sich deshalb auch dazu, den eigenen Wabenbestand kritisch zu betrachten und alte, dunkle oder beschädigte Waben auszusortieren und einzuschmelzen. Wer das gewonnene Wachs weiterverarbeiten möchte, findet dazu mehr im Beitrag zu Bienenwachskerzen und/oder Bienenwachs.
Räuberei nach dem Ende der Tracht verhindern
Mit dem Ende einer größeren Tracht verändert sich das Verhalten der Bienen. Tausende Sammlerinnen finden plötzlich deutlich weniger Nektar. Jetzt können offen zugänglicher Honig oder Futter innerhalb kürzester Zeit große Mengen Bienen anlocken. Finden sie dabei ein schwaches Bienenvolk, kann es zu Räuberei kommen.
Besonders gefährlich sind:
- offen stehende Honigwaben,
- verschüttetes Zuckerwasser oder Futtersirup,
- offene Futtergefäße,
- unnötig lange Arbeiten an den Völkern,
- große Fluglöcher bei schwachen Völkern.
Arbeiten sollten in dieser Zeit zügig durchgeführt und Futter sowie Honig nicht offen stehen gelassen werden. Bei schwächeren Völkern kann ein angepasstes, kleineres Flugloch die Verteidigung erleichtern. Ist eine massive Räuberei erst einmal entstanden, lässt sie sich häufig nur schwer wieder stoppen.
Varroa kontrollieren – eine der wichtigsten Imkerarbeiten im Sommer
Während sich die Bienenvölker im Frühjahr und Frühsommer stark entwickeln, vermehrt sich auch die Varroamilbe. Sie nutzt die verdeckelte Brut der Honigbienen für ihre eigene Vermehrung. Das bedeutet: Ein Volk, das äußerlich stark und gesund erscheint, kann im Laufe des Sommers bereits eine erhebliche Varroabelastung entwickeln.
Spätestens rund um bzw. nach der letzten Honigernte wird die Kontrolle des Varroabefalls deshalb zu einer der wichtigsten Imkerarbeiten im Sommer. Zur Befallskontrolle stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, beispielsweise die Beobachtung des natürlichen Milbenfalls über eine Bodeneinlage sowie weitere Diagnoseverfahren wie Puderzucker- oder Auswaschmethoden. Der Deutsche Imkerbund empfiehlt außerdem, den Behandlungserfolg nach der Sommerbehandlung gezielt zu überprüfen, statt sich allein auf eine einzelne Anwendung zu verlassen.
Welche Befallswerte einen Eingriff erforderlich machen, hängt unter anderem von Diagnoseverfahren, Jahreszeit und Behandlungskonzept ab. Pauschale Grenzwerte sind deshalb mit Vorsicht zu betrachten.
Varroabehandlung nach der Honigernte
Ist die Honigernte abgeschlossen, beginnt bei vielen Imkereien die sommerliche Varroabehandlung. Abhängig vom jeweiligen Behandlungskonzept können zugelassene Tierarzneimittel beispielsweise auf Basis von Ameisensäure oder Thymol zum Einsatz kommen. Ameisensäure kann auch Milben in verdeckelter Brut erreichen. Oxalsäure wirkt dagegen vor allem auf Milben außerhalb verdeckelter Brutzellen und wird deshalb bei entsprechenden Anwendungen insbesondere in brutfreien Phasen eingesetzt. Daneben existieren biotechnische Methoden wie Brutentnahme oder eine gezielt herbeigeführte Brutunterbrechung.
Welche Methode geeignet ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Entscheidend sind immer die aktuell zugelassenen Tierarzneimittel, deren Gebrauchsinformationen und gegebenenfalls die regionalen Behandlungsempfehlungen. Die jeweiligen Zulassungen sind beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einsehbar. Gerade bei der Varroabekämpfung sollte nicht nach veralteten Internetanleitungen gearbeitet werden.
Die Winterbienen entstehen bereits im Sommer
Warum ist der Zeitpunkt der Varroabehandlung so wichtig? Weil ein Bienenvolk nicht erst im Herbst entscheidet, wie gut es durch den Winter kommt. Sommerbienen leben während der arbeitsreichen Saison vergleichsweise kurz. Winterbienen müssen dagegen mehrere Monate überleben. Sie bilden im Winter die Bienentraube und ermöglichen dem Volk im kommenden Frühjahr den Neustart. Diese langlebigen Bienen werden bereits im Spätsommer und Herbst aufgezogen.
Eine hohe Varroabelastung kann dabei nicht nur unmittelbar schaden. Varroamilben stehen außerdem in engem Zusammenhang mit der Übertragung und Vermehrung verschiedener Bienenviren. Eine zu spät durchgeführte Varroabekämpfung kann deshalb bedeuten, dass ein Teil der für die Überwinterung wichtigen Bienengeneration bereits geschädigt wurde.
Die Gesundheit des Wintervolkes entscheidet sich bereits im Sommer.
Nach der Honigernte beginnt die Auffütterung
Mit der Honigernte entnimmt der Imker dem Bienenvolk einen Teil seiner Vorräte. Für die Überwinterung müssen anschließend ausreichende Futterreserven vorhanden sein. Je nach Betriebsweise kommen beispielsweise Zuckerwasser oder fertiger Futtersirup zum Einsatz, in bestimmten Situationen auch Futterteig.
Eine allgemeingültige Futtermenge gibt es nicht. Der tatsächliche Bedarf hängt unter anderem von Beutensystem und Betriebsweise, Volksstärke, vorhandenen Futter- und Honigvorräten und Standort und Klima ab.
Deshalb sollte nicht einfach eine bestimmte Menge gefüttert werden. Entscheidend ist, wie groß der tatsächlich vorhandene Vorrat anschließend ist. Das Gewicht der Beute kann beispielsweise durch Wiegen oder kontrolliertes Anheben bzw. Ankippen abgeschätzt werden. Die Auffütterung und Varroabehandlung müssen dabei entsprechend dem verwendeten Behandlungskonzept sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.
Ableger und Jungvölker nicht vergessen
Während die Wirtschaftsvölker Honig produziert haben, mussten sich im Frühjahr oder Frühsommer gebildete Bienenableger erst entwickeln. Im Sommer zeigt sich, ob daraus ausreichend starke Jungvölker für die Überwinterung werden. Kontrolliert werden sollten insbesondere: Weiselrichtigkeit und Königin, Brutbild, Volksstärke, Futtervorräte und Varroabefall.
Jungvölker benötigen häufig besondere Aufmerksamkeit bei der Futterversorgung. Gleichzeitig dürfen sie nicht durch zu große Fluglöcher unnötig der Gefahr von Räuberei ausgesetzt werden. Der Sommer entscheidet damit auch darüber, welche Jungvölker im kommenden Jahr zu starken Wirtschaftsvölkern werden können.
Königin und Volksstärke beurteilen
Nach der Honigernte verändert sich der Blick des Imkers auf seine Bienenvölker. Während im Frühjahr und Frühsommer häufig die Frage im Mittelpunkt stand, wie stark ein Volk wächst und wie viel Honig es eintragen kann, lautet die entscheidende Frage nun: Ist dieses Bienenvolk gesund und stark genug für den Winter?
Dazu gehören die Beurteilung der Volksstärke und des Brutbildes ebenso wie die Frage, ob eine leistungsfähige Königin vorhanden ist. Auffällig schwache Völker sollten genauer untersucht werden. Entscheidend ist zunächst die Ursache: Probleme mit der Königin, Krankheiten, hoher Varroabefall oder Futtermangel verlangen unterschiedliche Maßnahmen.
Gesunde, aber zu schwache Einheiten können je nach Situation vereinigt werden. Kranke Völker sollten dagegen nicht einfach mit gesunden Völkern zusammengeführt werden.
Wabenhygiene und Wabenlagerung
Auch der Wabenbestand verdient im Sommer Aufmerksamkeit. Alte Brutwaben werden durch zahlreiche Brutzyklen zunehmend dunkel. Eine regelmäßige Wabenerneuerung gehört deshalb zur guten imkerlichen Praxis. Ausgesonderte Waben können eingeschmolzen und das gewonnene Bienenwachs weiterverarbeitet werden.
Honigwaben, die im nächsten Jahr erneut verwendet werden sollen, müssen dagegen fachgerecht eingelagert werden: trocken, für Bienen unzugänglich und vor Wachsmotten geschützt. Gerade bei warmen Temperaturen können sich Wachsmotten schnell entwickeln, weshalb der eingelagerte Wabenbestand regelmäßig kontrolliert werden sollte.
Wespen am Bienenstand
Gegen Ende des Sommers fallen häufig immer mehr Wespen an den Bienenständen auf. Auch sie suchen nach leicht zugänglichen Nahrungsquellen und versuchen teilweise, in Bienenstöcke einzudringen. Starke Bienenvölker können ihr Flugloch normalerweise gut verteidigen, schwächere Einheiten können dagegen Probleme bekommen. Ein an die Volksstärke angepasstes Flugloch erleichtert ihnen die Verteidigung.
Wespen und Hornissen sollten dabei nicht pauschal als Bienenschädlinge betrachtet werden. Sie sind ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems und bei Maßnahmen gegen ihre Nester sind zudem die jeweiligen artenschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten.
Beuten und Material kontrollieren
Wenn die Honigräume nicht mehr auf den Völkern stehen, beginnt langsam auch das Aufräumen nach der Saison. Beschädigte Rähmchen können aussortiert, Wachs eingeschmolzen und nicht mehr benötigte Honigräume eingelagert werden. Auch Beutenteile, Böden und Dächer sollten kontrolliert werden.
Größere Reparaturen haben allerdings noch Zeit. Viele dieser Arbeiten können während der ruhigeren Wintermonate erledigt werden, wie der Beitrag zu den Imkerarbeiten im Winter zeigt. Im Spätsommer geht es zunächst darum, die Bienenvölker selbst bestmöglich auf die kommende kalte Jahreszeit vorzubereiten.
Dokumentation gehört zur Imkerei
Zwischen Honigernte, Varroabehandlung und Auffütterung sollte auch die Dokumentation nicht vergessen werden. Sinnvoll festgehalten werden können beispielsweise: Honigerträge, Entwicklung und Stärke der einzelnen Völker, Auffälligkeiten bei Königin oder Brut, Ergebnisse der Varroakontrolle, durchgeführte Behandlungen und Futtergaben.
Für die Anwendung von Tierarzneimitteln bestehen darüber hinaus rechtliche Dokumentationspflichten. Gute Aufzeichnungen helfen nicht nur dabei, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Diese Aufzeichnungen ermöglichen dem Imker auch, Entwicklungen einzelner Völker über mehrere Jahre nachzuvollziehen.
Typische Fehler bei den Imkerarbeiten im Sommer
Die große Zahl unterschiedlicher Arbeiten macht den Sommer zu einer anspruchsvollen Zeit im Bienenjahr. Einige Fehler können dabei erhebliche Folgen haben:
- Schwarmkontrolle zu früh beenden: Auch im Frühsommer können starke Völker noch in Schwarmstimmung geraten.
- Honigräume zu spät erweitern: Während einer starken Tracht benötigen die Bienen ausreichend Platz für den frisch eingetragenen Nektar.
- Honig zu früh ernten: Ein zu hoher Wassergehalt erhöht das Risiko einer späteren Gärung.
- Räuberei provozieren: Offen stehende Honigwaben oder verschüttetes Futter können nach Trachtende schnell andere Bienen anlocken.
- Varroakontrolle aufschieben: Gerade die im Spätsommer entstehenden Bienen sind für die Überwinterung besonders wichtig.
- Zu spät auffüttern: Die Bienenvölker müssen rechtzeitig ausreichende Wintervorräte erhalten.
- Jungvölker vergessen: Ableger benötigen häufig mehr Aufmerksamkeit als etablierte Wirtschaftsvölker.
- Schwache Völker einfach weiterlaufen lassen: Je früher die Ursache erkannt wird, desto größer sind die Handlungsmöglichkeiten.
Vom Sommer in den Herbst
Die Imkerarbeiten im Sommer zeigen besonders deutlich, dass das Bienenjahr nicht dem menschlichen Kalender folgt. Im Juni können die Völker noch auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung stehen, die Bienen sammeln Nektar, die Honigräume füllen sich und der Imker beschäftigt sich mit Schwarmkontrolle und Honigernte. Nur wenige Wochen später hat sich die Zielsetzung vollständig verändert: Jetzt geht es darum, Varroa unter Kontrolle zu bringen, gesunde Winterbienen aufzuziehen, ausreichend Futter bereitzustellen und schwache oder problematische Völker rechtzeitig zu erkennen.
Aus Schwarmzeit → Tracht → Honigräume → Honigernte wird Varroakontrolle → Behandlung → Auffütterung → Wintervorbereitung.
Damit ist der Sommer weit mehr als die Zeit der Honigernte. In diesen Wochen werden bereits wesentliche Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Bienenvölker den Winter überstehen und im kommenden Frühjahr wieder stark in ein neues Bienenjahr starten können. Wie es weitergeht, sobald die Trachten enden und die Tage kürzer werden, zeigt der nächste Teil unserer Reihe: Imkerarbeiten im Herbst – Bienenvölker winterfest machen.
Häufige Fragen zu Imkerarbeiten im Sommer
Was müssen Imker im Sommer machen? Zu den wichtigsten Imkerarbeiten im Sommer gehören die Schwarmkontrolle, die Erweiterung und Kontrolle der Honigräume, die Honigernte, die Kontrolle und Behandlung des Varroabefalls sowie die anschließende Auffütterung. Hinzu kommen die Beurteilung von Volksstärke und Königin sowie der Schutz vor Räuberei und Wespen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abschleudern? Einen festen Termin gibt es nicht. Entscheidend ist, wann die genutzte Tracht endet und der Honig ausreichend gereift ist. Großflächig verdeckelte Waben sind dafür ein wichtiges Indiz; sicherer lässt sich die Reife über den Wassergehalt beurteilen. Standort, Höhenlage und Wetter können den Zeitpunkt regional um mehrere Wochen verschieben.
Wann sollte nach der Honigernte gegen Varroa behandelt werden? Die sommerliche Varroabehandlung beginnt üblicherweise direkt nach dem Abschleudern, da die für die Überwinterung wichtigen Winterbienen bereits im Spätsommer aufgezogen werden. Welches Mittel infrage kommt, hängt unter anderem vom Brutstatus des Volkes und dem gewählten Behandlungskonzept ab.
Warum sitzen Bienen im Sommer als „Bart“ außen an der Beute? Dieses sogenannte Bienenbart-Verhalten dient meist der Kühlung: Ein Teil der Bienen verlässt bei großer Hitze den Stock, um die Wärmelast im Inneren zu reduzieren. Es ist nicht automatisch ein Zeichen für ein Problem oder bevorstehendes Schwärmen.
Wie erkennt man, ob Honig schon reif zum Ernten ist? Ein wichtiges Indiz sind großflächig verdeckelte Honigwaben, eine Garantie sind sie jedoch nicht. Zur Kontrolle eignen sich die Spritzprobe oder die Messung des Wassergehalts mit einem Refraktometer. Ein zu hoher Wassergehalt erhöht das Risiko, dass der Honig später gärt.
