Imkerarbeiten im Winter

Imkerarbeiten im Winter: Was Imker zwischen Dezember und Februar wirklich tun

Ein Bienenvolk, das im Herbst noch kräftig und gut eingefüttert wirkte, kann mitten im Februar verhungern – leise, unbemerkt und obwohl draußen längst wieder Sonne scheint. Genau das macht die Winterarbeit am Bienenstand so anspruchsvoll: Sie verlangt von Imkerinnen und Imkern nicht Aktionismus, sondern das genaue Gegenteil – Zurückhaltung, Beobachtungsgabe und das richtige Gespür dafür, wann ein Eingriff wirklich nötig ist.
Wer von außen auf einen winterlichen Bienenstand blickt, sieht wenig Bewegung. Die Stöcke stehen still, kaum eine Biene fliegt. Für Laien wirkt das wie eine mehrmonatige Pause. Tatsächlich beginnt jetzt eine ruhigere, aber keineswegs bedeutungslose Phase des Imkerjahres. Wie gut ein Volk im Frühjahr startet, entscheidet sich zu einem großen Teil bereits jetzt.

Wie Honigbienen den Winter überstehen

Honigbienen halten keinen Winterschlaf. Sinken die Temperaturen, ziehen sie sich im Inneren der Beute zu einer dichten Wintertraube zusammen. Die Bienen erzeugen durch Muskelzittern aktiv Wärme und schützen so vor allem die Königin im Zentrum der Traube. Dort können Temperaturen von etwa 20 bis 30 Grad Celsius entstehen, während es draußen friert – sobald im Spätwinter die Brutpflege wieder beginnt, steigt der Kernwert sogar auf bis zu 35 Grad. Damit niemand am kalten Rand der Traube auskühlt, tauschen die Bienen fortlaufend ihre Plätze: Wer außen sitzt, wandert nach innen, wer innen war, rückt wieder nach außen.

Die Energie für diesen ständigen Betrieb liefern die eingelagerten Futtervorräte. Honig oder das im Herbst zugefütterte Winterfutter sind im Winter kein Überschuss, sondern die eigentliche Lebensgrundlage des Volkes. Genau deshalb beginnt gute Winterarbeit streng genommen nicht erst im Dezember, sondern bereits im Spätsommer – mit einer sorgfältigen Varroabehandlung und einer ausreichenden Auffütterung. Wer diese Grundlage verpasst, kann im Winter selbst kaum noch etwas ausgleichen.

Eingeschneite Bienenvölker im Winter – auch in der kalten Jahreszeit kümmern sich Imker um ihre Bienenvölker.

Die wichtigste Regel bei den Imkerarbeiten im Winter: möglichst wenig eingreifen

Bienenvölker werden im Winter nicht regelmäßig geöffnet oder durchgesehen. Jeder Eingriff kostet die Wintertraube Wärme, bringt sie durcheinander und beunruhigt die Bienen unnötig. Bei Frost sollte deshalb weder eine Wabe gezogen noch länger im geöffneten Volk gearbeitet werden.

Das heißt aber nicht, dass die Völker unbeobachtet bleiben. Ein erfahrener Imker geht regelmäßig am Bienenstand vorbei und prüft von außen, ob alles in Ordnung ist – stehen die Beuten sicher, sind Deckel und Böden trocken, hat der Wind etwas gelockert, ist das Flugloch frei von Schnee oder toten Bienen und gibt es Hinweise auf Mäuse. Solche Kontrollgänge dauern wenige Minuten, ersetzen aber keine geöffnete Durchsicht und sollen es auch nicht.

Wichtig ist dabei, dass das Flugloch nicht vollständig verschlossen wird. Die Bienen brauchen Luftaustausch und an milderen Wintertagen fliegen einzelne Bienen zu kurzen Reinigungsflügen aus, um ihre Kotblase außerhalb des Stocks zu entleeren. Solche Flüge sind völlig normal und kein Zeichen dafür, dass der Frühling bereits begonnen hätte.

Nach Stürmen, starkem Schneefall oder langen Regenperioden lohnt sich ein zusätzlicher, kurzer Kontrollgang: Nasse Beuten, verrutschte Deckel oder umgekippte Kästen sollten zeitnah wieder in Ordnung gebracht werden. Besonders wichtig ist außerdem der Schutz vor Mäusen, die in der kalten Jahreszeit gern warme, geschützte Plätze suchen. Gelangen sie durch ein zu großes Flugloch in die Beute, beschädigen sie Waben und stören das Volk erheblich – ein passender Mäuseschutz verhindert das, ohne die Bienen einzusperren. Sammeln sich viele tote Bienen vor dem Flugloch an, ist das zunächst nichts Ungewöhnliches; blockiert der Haufen jedoch den Eingang, genügt es, ihn vorsichtig mit einem dünnen Zweig freizumachen, ohne die Beute zu öffnen.

Manche Imker heben die Beute von hinten leicht an, um ein grobes Gefühl für das verbliebene Gewicht zu bekommen. Fühlt sie sich ungewöhnlich leicht an, ist das ein Warnsignal – diese Methode ersetzt aber keine solide Einfütterung im Herbst, sie hilft nur dabei, auffällige Völker rechtzeitig zu erkennen.

Futterkontrolle: Wann tatsächlich gehandelt werden muss

Ausgerechnet im Winter, wenn kaum eine Biene fliegt, kann ein Volk verhungern. Die Wintertraube bewegt sich nur langsam durch die Wabengassen zu den Futtervorräten und bei längeren Frostperioden erreicht sie manche Futterreserven schlicht nicht mehr, selbst wenn in der Beute noch genug vorhanden wäre.

Eine pauschale Lösung dafür gibt es nicht – wie gehandelt wird, hängt vom Wetter, vom Zustand des Volkes und vom Zeitpunkt im Winter ab. Bei starkem Frost bleibt das Volk am besten geschlossen. Zeigt sich in einer milderen Phase jedoch ein klarer Futtermangel, kann Futterteig direkt über der Bienentraube aufgelegt werden. Flüssiges Futter eignet sich im tiefen Winter dagegen kaum, weil die Bienen es bei niedrigen Temperaturen nur schwer aufnehmen und verarbeiten können.

Besonders kritisch wird die Lage ab Januar und Februar, wenn die Königin je nach Witterung und Volksstärke wieder verstärkt mit der Eiablage beginnt. Die Aufzucht von Brut treibt den Futterverbrauch spürbar nach oben, weshalb ein Volk im Spätwinter schneller in Not geraten kann als noch im Dezember. Die wichtigste Grundlage dafür, dass es gar nicht so weit kommt, wird im Herbst gelegt – eine ruhige, gezielte Kontrolle im Winter sorgt zusätzlich dafür, dass echte Probleme nicht unbemerkt bleiben.

Die Winterbehandlung gegen die Varroamilbe

Die Varroamilbe zählt zu den größten Herausforderungen der modernen Imkerei. Sie vermehrt sich in der verdeckelten Brut, schwächt die Bienen und überträgt Viren. Ohne passende Behandlung können Völker so stark geschädigt werden, dass sie den Winter nicht überstehen oder im Frühjahr nur schwach starten.

Eine entscheidende Behandlung findet im brutfreien Zustand des Volkes statt, der in vielen Regionen Deutschlands häufig im Dezember eintritt. Dann kann eine zugelassene Oxalsäurebehandlung nach den geltenden Vorgaben besonders wirksam sein, weil sich zu diesem Zeitpunkt kaum Milben in verdeckelten Brutzellen verstecken können – die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die Brutfreiheit vorher tatsächlich kontrolliert werden sollte, statt sich auf Faustregeln wie eine feste Wartezeit nach dem ersten Frost zu verlassen.

Bienenstöcke an einem verschneiten Bienenstand im Winter

Auch das Institut für Bienenkunde Celle betont, dass die Wirksamkeit stark davon abhängt, wie eng die Bienen zum Behandlungszeitpunkt in der Traube sitzen.

Die genaue Durchführung, das zugelassene Mittel und der richtige Zeitpunkt gehören in erfahrene Hände. Imkerinnen und Imker sollten sich dabei an die Vorgaben für Tierarzneimittel sowie an die Empfehlungen ihres Imkervereins, ihrer Fachberatung oder ihres Tierarztes halten. Wichtig ist: Die Winterbehandlung ersetzt keine versäumte Sommerbehandlung, sondern ergänzt ein durchdachtes Varroakonzept über das gesamte Bienenjahr.

Bienenbeute mit Schnee an einem Bienenstand im Winter

Wachsarbeiten: Aus Altwaben wird neuer Kreislauf

Während die Völker draußen ruhen, beginnt drinnen – im Schleuderraum, in der Werkstatt oder in der Küche – oft die Wachsarbeit. Alte Waben, ausgeschnittene Drohnenbrut und Entdeckelungswachs aus der Honigernte werden eingeschmolzen und gereinigt. So entsteht neues Bienenwachs, das später wieder zu Mittelwänden verarbeitet wird.

Dieser Wachskreislauf ist ein wichtiger Teil sorgfältiger Imkerei. Waben werden über die Jahre dunkler und können Rückstände einlagern, weshalb viele Imker regelmäßig einen Teil ihres Wabenbaus erneuern. Sauberes, eigenes Wachs ist dabei doppelt wertvoll: Es bildet die Grundlage für den natürlichen Wabenbau der Bienen und lässt sich zusätzlich für Bienenwachskerzen, Wachstücher oder andere Produkte nutzen. Die ruhigeren Wintermonate bieten genau die Zeit, die es braucht, um Wachsblöcke zu sortieren, Rähmchen von alten Resten zu befreien und Material für die neue Saison vorzubereiten.

Rähmchen, Beuten und Werkzeug vorbereiten

Im Frühling geht alles plötzlich sehr schnell: Ein warmes Wochenende genügt und die Völker entwickeln sich mit großer Dynamik. Dann müssen genug Rähmchen, Beuten, Honigräume und weiteres Material bereitstehen – der Winter ist deshalb die ideale Zeit für Reparaturen und Vorbereitung. Alte Rähmchen werden gereinigt, instand gesetzt oder ersetzt, neue zusammengesetzt und mit Mittelwänden versehen. Beuten werden gestrichen, Dächer repariert, Böden kontrolliert und auch Smoker, Stockmeißel, Schutzkleidung und Schleuderzubehör verdienen jetzt einen prüfenden Blick.

Wer im kommenden Jahr Ableger bilden oder Völker vermehren möchte, bereitet in dieser Zeit ausreichend Ablegerkästen und Futtergeschirre vor. Für die Honigernte lohnt sich der rechtzeitige Blick auf Honigräume, Absperrgitter, Schleuder, Siebe, Abfüllkübel und Honiggläser. Gute Vorbereitung im Winter nimmt der Hochsaison im Frühjahr und Sommer spürbar viel Hektik.

Planung für das neue Bienenjahr

Der Winter ist außerdem die Zeit, das vergangene Bienenjahr auszuwerten. Welche Völker waren besonders stark oder gesund? Wo gab es Probleme mit Schwarmtrieb, Futterverbrauch oder Varroa? Welche Honigsorten konnten geerntet werden und was würde man beim nächsten Mal anders machen? Wer Stockkarten oder digitale Aufzeichnungen führt, erkennt daraus, welche Königinnen älter werden, welche Völker im Frühjahr besondere Aufmerksamkeit brauchen und wie viel Material für die kommende Saison nötig ist. Auch Fortbildungen, Vereinsabende und Fachvorträge fallen häufig in diese ruhigere Zeit.

Für Imkerinnen und Imker, die Honig oder andere Bienenprodukte verkaufen, gehört zur Winterplanung ebenfalls die Vermarktung: Etiketten prüfen, Gläser bestellen, Bestände zählen und Ideen für Märkte oder neue Angebote im kommenden Jahr entwickeln. Imker sein bedeutet eben nicht nur Arbeit direkt am Bienenstock, sondern auch Handwerk, Organisation und Verantwortung.

Wann für Imker der Frühling beginnt

Kalender und Bienenvolk halten sich nicht immer an dieselben Termine. Ein milder Februar kann erste Flüge ermöglichen, ein kalter März die Entwicklung wieder bremsen. Erfahrene Imker orientieren sich deshalb weniger am Datum als an Wetter, Flugloch und Volksentwicklung. Sobald die Temperaturen steigen und die ersten Pollen von Hasel, Weide oder anderen Frühblühern eingetragen werden, beginnt für die Bienen eine neue, aktive Phase – und für Imker folgen die ersten vorsichtigen Durchsichten und die Vorbereitung auf das rasante Wachstum des Volkes.

Die Imkerarbeiten im Winter an den Bienen verzeihen keinen Fehler!

Häufige Fragen zur Winterarbeit am Bienenstand

Wie oft sollte man im Winter nach den Bienen sehen? Ein kurzer Kontrollgang von außen – Flugloch, Sitz der Beute, Wetterschäden – ist auch im Winter sinnvoll, etwa alle paar Wochen oder nach Stürmen und starkem Schneefall. Ein geöffnetes Durchsehen des Volkes findet dagegen nicht statt; das würde der Wintertraube nur Wärme entziehen.

Bienenstöcke eines Imkers im Winter bei Schnee. Jetzt sollten die Imkerarbeiten im Winter i.G. abgeschlossen sein.

Woran erkennt man Futtermangel im Winter? Ein zuverlässiges Anzeichen ist ein ungewöhnlich leichtes Gewicht, wenn die Beute vorsichtig von hinten angehoben wird. Auch auffällige Unruhe am Flugloch oder ein Volk, das trotz milder Temperaturen nicht ausfliegt, kann ein Hinweis sein. Im Zweifel hilft nur eine kurze, gezielte Kontrolle in einer milderen Wetterphase.

Warum sitzen tote Bienen vor dem Flugloch – ist das Volk krank? Nicht zwingend. Ein Bienenvolk verliert auch im Winter laufend einzelne Tiere, das ist normal. Problematisch wird es erst, wenn sich so viele tote Bienen ansammeln, dass das Flugloch verstopft – dann sollte es vorsichtig freigemacht werden, ohne die Beute zu öffnen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Varroa-Winterbehandlung? Entscheidend ist nicht ein festes Datum, sondern der brutfreie Zustand des Volkes, der in vielen Regionen im Dezember eintritt. Da sich Faustregeln wie eine feste Wartezeit nach dem ersten Frost als unzuverlässig erwiesen haben, sollte die Brutfreiheit möglichst kontrolliert und nicht nur angenommen werden.

Futterteig auf den Rähmchen eines Bienenvolkes zur Winternotfütterung, eine Imkerarbeit im Winter.

Ist ein Flug im Winter ein Zeichen für Frühling? Nein. Sogenannte Reinigungsflüge an milden Wintertagen dienen den Bienen dazu, ihre Kotblase außerhalb des Stocks zu entleeren. Das ist ein normaler Teil der Überwinterung und sagt nichts darüber aus, ob der Frühling bereits begonnen hat.