Imkerarbeiten im Herbst

Imkerarbeiten im Herbst: So werden Bienenvölker auf den Winter vorbereitet

Wenn im September die Tage kürzer werden und morgens der erste Tau auf den Wiesen liegt, scheint das arbeitsreiche Bienenjahr langsam zu Ende zu gehen. Die Honigernte ist vielerorts abgeschlossen, die großen Trachten sind vorbei und am Flugloch wird es ruhiger. Für Imkerinnen und Imker beginnt damit jedoch eine der entscheidenden Phasen des Jahres.

Denn die Imkerarbeiten im Herbst bestimmen wesentlich mit, wie ein Bienenvolk durch den Winter kommt und im kommenden Frühjahr startet.

Jetzt geht es nicht mehr um möglichst viel Honig oder die Kontrolle des Schwarmtriebs. Stattdessen stehen gesunde Winterbienen, ausreichende Futtervorräte, die Varroamilbe und die Vorbereitung der Beuten auf die kalte Jahreszeit im Mittelpunkt. Dabei gibt es keinen festen Tag, an dem der imkerliche Herbst beginnt oder endet. Standort, Wetter, Trachtangebot und Betriebsweise spielen eine große Rolle. Viele der Arbeiten beginnen bereits nach der letzten Honigernte im Spätsommer und gehen später fließend in die Imkerarbeiten im Winter über.

Im Herbst bereiten sich die Bienen auf den Winter vor

Während ein Bienenvolk im Frühjahr rasant wächst, kehrt sich diese Entwicklung im Spätsommer und Herbst langsam um. Die Königin reduziert ihre Eiablage, die Brutfläche wird kleiner und die Zahl der Bienen im Volk nimmt ab. Auch die Drohnen werden nun nicht mehr benötigt. Sie werden nicht mehr versorgt und schließlich aus dem Bienenstock gedrängt. Dieses Verhalten wird als „Drohnenschlacht“ bezeichnet und gehört zum natürlichen Jahresablauf eines Bienenvolkes.

Gleichzeitig geschieht etwas wesentlich Wichtigeres: Die Winterbienen entstehen.

Sommerbienen leben während der arbeitsreichen Saison nur wenige Wochen. Winterbienen müssen dagegen mehrere Monate überstehen. Sie verbringen nicht nur den Winter im Volk, sondern übernehmen gegen Ende des Winters und zu Beginn des Frühjahrs eine besonders wichtige Aufgabe: Sie versorgen die erste neue Brutgeneration. Damit entscheidet sich bereits im Spätsommer und Herbst, mit welcher Mannschaft das Bienenvolk in das nächste Frühjahr startet.

Bienenbeuten an einem Bienenstand im Herbst

Gesunde Winterbienen sind die Grundlage für das nächste Bienenjahr

Winterbienen unterscheiden sich physiologisch von den kurzlebigeren Sommerbienen. Sie verfügen über größere körpereigene Reserven und sind darauf ausgelegt, deutlich länger zu leben. Ihre Gesundheit ist deshalb besonders wichtig. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen der Imkerarbeiten im Herbst: Ein Volk kann im September von außen noch stark und vital erscheinen und trotzdem bereits Probleme haben, die sich erst Monate später bemerkbar machen.

Eine hohe Belastung mit Varroamilben und den von ihnen übertragenen Viren kann beispielsweise dazu führen, dass Winterbienen geschädigt werden. Auch eine unzureichende Futterversorgung oder andere Erkrankungen können die Überwinterungsfähigkeit beeinträchtigen. Was bei der Vorbereitung der Winterbienen versäumt wird, lässt sich mitten im Winter kaum noch korrigieren.

Varroa kontrollieren – nicht einfach nach Kalender behandeln

Die Varroamilbe gehört zu den größten Herausforderungen der heutigen Bienenhaltung. Sie vermehrt sich in der Brut und schwächt die Bienen sowohl unmittelbar als auch durch die Übertragung verschiedener Viren. Nach der Honigernte beginnt deshalb bei vielen Betriebsweisen die entscheidende Phase der Varroabekämpfung. Die Sommerbehandlung allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Thema für das Jahr erledigt ist. Im weiteren Verlauf sollte kontrolliert werden, wie hoch die Belastung tatsächlich noch ist.

Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, beispielsweise die Kontrolle des natürlichen Milbenfalls über eine Bodeneinlage oder andere Methoden der Befallsdiagnose. Der Deutsche Imkerbund empfiehlt, den Behandlungserfolg nach der Sommerbehandlung gezielt zu überprüfen, statt sich allein auf eine einzelne Anwendung zu verlassen. Besonders im Spätsommer und Herbst kann außerdem eine erneute Einschleppung von Milben aus anderen Bienenvölkern eine Rolle spielen – etwa durch Räuberei benachbarter Völker.

Welche Behandlung notwendig und zulässig ist, hängt vom Befall, dem Brutstatus, der Jahreszeit und dem verwendeten Behandlungskonzept ab. Deshalb sollte die Varroabekämpfung nicht nach einem starren Kalender erfolgen. Für die eingesetzten Tierarzneimittel gelten zudem die jeweiligen Zulassungen und Anwendungsvorschriften des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Imker sollten sich dabei an die aktuellen Empfehlungen der Bieneninstitute, Fachberatungen und Imkerverbände halten. Die spätere Varroa-Winterbehandlung ergänzt diese Maßnahmen – sie kann eine versäumte oder unzureichende Behandlung im Sommer und Herbst jedoch nicht einfach ersetzen.

Winterfutter: Jetzt muss genug im Bienenstock sein

Mit der Honigernte entnimmt der Imker einen Teil der Vorräte, die die Bienen gesammelt haben. Für die Überwinterung benötigen die Völker deshalb ausreichend Futter. Wie viel genau erforderlich ist, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Beutensystem, Volksstärke, Region, Klima und Betriebsweise beeinflussen den tatsächlichen Bedarf.

Entscheidend ist deshalb die Kontrolle des einzelnen Volkes. Viele Imker ermitteln das Gewicht ihrer Beuten oder heben sie vorsichtig von hinten an. Auch Stockwaagen können helfen, Veränderungen der Vorräte zu beobachten. Bei einer Durchsicht lassen sich außerdem die vorhandenen Futterwaben beurteilen.

Honigbienen am Flugloch mit Mäuseschutzgitter im Herbst
Mäuseschutzgitter am Flugloch – im Herbst wird der Zugang zur Beute gegen Mäuse gesichert.

Fehlt noch Winterfutter, sollte die Auffütterung rechtzeitig abgeschlossen werden. Mit sinkenden Temperaturen wird eine reguläre Auffütterung zunehmend schwieriger. Muss im Winter wegen akuten Futtermangels eingegriffen werden, kommen andere Formen der Notfütterung infrage – mehr dazu im Beitrag zu den Imkerarbeiten im Winter.

Das Ziel ist einfach: Wenn die kalte Jahreszeit beginnt, sollen die notwendigen Futtervorräte bereits im Volk vorhanden sein. Im Winter bleibt dann vor allem die Kontrolle. Eine mangelhafte Einfütterung lässt sich bei Frost nur noch schwer ausgleichen.

Futterteig auf den Rähmchen eines Bienenvolkes zur Winternotfütterung, eine Imkerarbeit im Winter.

Schwache Völker im Herbst richtig beurteilen

Nicht jedes Bienenvolk geht mit derselben Stärke aus dem Sommer. Der Herbst ist deshalb ein wichtiger Zeitpunkt für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Ist dieses Volk gesund und stark genug, um selbstständig zu überwintern? Ein ungewöhnlich schwaches Volk kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine problematische oder fehlende Königin kommt ebenso infrage wie eine hohe Varroabelastung, Krankheiten, Räuberei oder eine insgesamt ungünstige Volksentwicklung.

Je nach Ursache kann es sinnvoller sein, ein schwaches Volk mit einem anderen zu vereinigen, anstatt es um jeden Preis allein zu überwintern. Dabei gilt allerdings: Ein schwaches Volk ist nicht automatisch ein krankes Volk. Bei Krankheitsverdacht müssen zunächst die Ursachen geklärt werden. Ein möglicherweise erkranktes Volk einfach mit einem gesunden zu vereinigen, kann das Problem auf das zweite Volk übertragen.

Räuberei: Wenn Bienen andere Völker überfallen

Nach dem Ende der großen Trachten gibt es immer weniger ergiebige Nahrungsquellen. Gleichzeitig fliegen an warmen Herbsttagen noch zahlreiche Bienen. Finden sie dabei ein schlecht verteidigtes Volk oder offen zugängliches Futter, kann Räuberei entstehen. Besonders gefährdet sind schwache Völker und Ableger.

Imker können das Risiko reduzieren, indem sie Fluglöcher der Volksstärke anpassen, Futter nicht offen stehen lassen und beim Füttern keinen Sirup verschütten. Auch unnötig lange geöffnete Beuten können fremde Bienen anlocken.

Hat eine massive Räuberei erst einmal begonnen, lässt sie sich häufig nur schwer stoppen. Ein kleineres Flugloch erleichtert einem schwächeren Volk dagegen die Verteidigung. Das hilft nicht nur gegen fremde Honigbienen, sondern auch gegen Wespen, die im Spätsommer und frühen Herbst ebenfalls versuchen können, in Bienenvölker einzudringen.

Mäuseschutz – kleine Besucher mit großem Schadenspotenzial

Wenn die Nächte kälter werden, suchen Mäuse geschützte Plätze. Eine Bienenbeute bietet genau das: Sie ist trocken, windgeschützt und enthält mit Wachs, Pollen und Honig attraktive Nahrung. Gelangt eine Maus in den Bienenstock, kann sie Waben beschädigen und das überwinternde Volk erheblich stören. Deshalb gehört das Anbringen eines geeigneten Mäuseschutzes zu den klassischen Imkerarbeiten im Herbst.

Das verwendete Gitter muss so dimensioniert sein, dass die Bienen weiterhin problemlos passieren können, Mäuse jedoch draußen bleiben. Auch hier ist der Zeitpunkt entscheidend: Der Mäuseschutz sollte angebracht werden, bevor sich ein unerwünschter Wintergast bereits in der Beute eingerichtet hat.

Bienenbeuten winterfest machen

Ein gesundes und gut eingefüttertes Bienenvolk braucht außerdem eine sichere Behausung. Im Herbst lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den gesamten Bienenstand. Stehen die Beuten stabil? Sind die Deckel dicht und gegen Sturm gesichert? Kann Regenwasser ablaufen? Sind Fluglöcher und Böden in Ordnung? Gibt es beschädigte Beutenteile?

Honigbienen können mit niedrigen Temperaturen erstaunlich gut umgehen. Sie bilden im Winter eine Traube und erzeugen die benötigte Wärme selbst. Deshalb geht es beim „Winterfestmachen“ nicht darum, einen Bienenstock möglichst dick einzupacken. Viel wichtiger sind ein funktionierendes Beutensystem, Schutz vor eindringendem Wasser und ein sicherer Stand.

Bienenbeuten nach einem Sturmschaden durch umgestürzte Bäume
Umgestürzte und beschädigte Bienenbeuten nach einem Sturm

Auch außerhalb des Bienenstocks gibt es viel zu tun

Mit dem Ende der Honigernte verlagert sich ein Teil der Arbeit vom Bienenstand in Schleuderraum und Werkstatt. Honigräume und ausgeschleuderte Waben müssen versorgt werden. Waben werden sortiert, beschädigte oder alte Waben ausgesondert und Wachs eingeschmolzen. Wiederverwendbare Waben müssen so gelagert werden, dass sie trocken und vor Wachsmotten geschützt bleiben. Wer sein eigenes, sauberes Wachs weiterverarbeiten möchte, findet dazu mehr im Beitrag zu Bienenwachskerzen.

Auch Zargen, Rähmchen und anderes Material können kontrolliert und gereinigt werden. Nicht alles davon muss bereits im September oder Oktober erledigt sein. Viele dieser Arbeiten lassen sich hervorragend in die ruhigeren Wintermonate verschieben, wie der Beitrag zu den Imkerarbeiten im Winter im Detail zeigt. Der Herbst ist vielmehr der Moment, in dem sich die Arbeit des Imkers langsam verändert: Am Bienenvolk wird immer weniger getan – dafür beginnt die Aufarbeitung der vergangenen Saison.

Honig abfüllen, verkaufen und die Saison auswerten

Auch die Honigernte endet nicht mit dem Schleudern. Je nach Honigsorte und Vermarktung wird der Honig geklärt, kontrolliert kristallisiert, gerührt, abgefüllt und etikettiert. Für viele Imkereien beginnt im Herbst außerdem eine wichtige Verkaufssaison mit Hofläden, Wochenmärkten oder später den Weihnachtsmärkten.

Imker sein bedeutet deshalb auch im Herbst deutlich mehr als Arbeit direkt am Bienenstock. Gleichzeitig lohnt sich der Blick zurück auf die Saison.

Welche Völker waren besonders stark? Welche Königin hat überzeugt? Wo gab es Probleme mit Schwarmtrieb oder Varroa? Wie waren Honigertrag und Futterverbrauch? Welche Völker sollen im kommenden Jahr vermehrt werden? Wer Stockkarten oder digitale Aufzeichnungen führt, hat jetzt die Gelegenheit, daraus Konsequenzen für das nächste Bienenjahr zu ziehen.

Je später der Herbst, desto weniger sollte der Imker eingreifen

Während im Spätsommer und frühen Herbst noch regelmäßig Arbeiten an den Völkern notwendig sind, verändert sich das mit fallenden Temperaturen. Die Brutflächen werden kleiner, die Bienen fliegen seltener und das Volk zieht sich zunehmend zusammen. Damit ändert sich auch die Aufgabe des Imkers.

Aus dem aktiven Arbeiten am Volk wird zunehmend Beobachtung. Stehen die Beuten sicher? Ist das Flugloch frei? Gibt es Hinweise auf Räuberei oder Mäuse? Ist das Gewicht plausibel? Hat ein Sturm einen Deckel verschoben? Solche Kontrollen bleiben sinnvoll. Ein gesundes Volk ohne konkreten Anlass immer wieder zu öffnen, wird dagegen zunehmend unnötig.

Vom Herbst in den Winter

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die eigentlichen Vorbereitungen abgeschlossen sein sollten. Die Völker sind ausreichend stark, das Winterfutter ist eingelagert, die Varroabelastung wurde kontrolliert und reduziert, die Beuten sind gesichert und der Mäuseschutz sitzt. Jetzt beginnt eine andere Phase des Imkerjahres.

Mit sinkenden Temperaturen ziehen sich die Bienen immer enger zur Wintertraube zusammen. Die Eingriffe des Imkers werden auf ein Minimum reduziert. Statt Durchsichten stehen Beobachtung und gelegentliche Kontrollen von außen im Mittelpunkt. Und genau hier gehen die Imkerarbeiten im Herbst fließend in die Imkerarbeiten im Winter über.

Denn während der Imker im Herbst noch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Überwinterung schaffen kann, gilt im Winter vor allem eines: möglichst wenig stören und nur dann eingreifen, wenn es wirklich notwendig ist. Wer wissen möchte, was während der kalten Monate im Bienenstock geschieht und welche Aufgaben für Imker dann noch bleiben, findet dazu den nächsten Teil unserer Reihe: Imkerarbeiten im Winter – was Imker zwischen Dezember und Februar wirklich tun.

Häufige Fragen zu Imkerarbeiten im Herbst

Was müssen Imker im Herbst machen? Zu den wichtigsten Imkerarbeiten im Herbst gehören die Kontrolle und Sicherstellung ausreichender Futtervorräte, die Varroakontrolle, die Beurteilung der Volksstärke sowie der Schutz der Bienenvölker vor Räuberei, Wespen und Mäusen. Zusätzlich werden Beuten kontrolliert und Material aus der vergangenen Saison aufgearbeitet.

Bienenbeuten an einem Bienenstand im Herbst

Wann werden Bienen für den Winter eingefüttert? Die Einfütterung beginnt üblicherweise nach der Honigernte und sollte rechtzeitig abgeschlossen werden, bevor niedrige Temperaturen die Futteraufnahme erschweren. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem von Region, Witterung, Tracht und Betriebsweise ab.

Wie viel Winterfutter braucht ein Bienenvolk? Eine allgemeingültige Futtermenge gibt es nicht. Der Bedarf hängt beispielsweise von Beutensystem, Volksstärke, Standort, Klima und Betriebsweise ab. Entscheidend ist deshalb, die vorhandenen Vorräte des jeweiligen Volkes zu kontrollieren.

Warum sind Winterbienen so wichtig? Winterbienen leben wesentlich länger als die typischen Sommerbienen. Sie müssen das Volk über mehrere Monate am Leben erhalten und versorgen gegen Ende des Winters bzw. zu Beginn des Frühjahrs die erste neue Brut. Gesunde Winterbienen sind deshalb eine wichtige Voraussetzung für einen guten Start ins nächste Bienenjahr.

Darf man Bienenvölker im Herbst noch öffnen? Ja. Notwendige Kontrollen und Arbeiten können im Herbst noch durchgeführt werden. Mit sinkenden Temperaturen und fortschreitender Jahreszeit sollten Eingriffe jedoch immer stärker reduziert werden. Ist ein Volk gesund, ausreichend versorgt und für den Winter vorbereitet, sollte es ohne konkreten Grund nicht mehr geöffnet werden. Wartezeit nach dem ersten Frost als unzuverlässig erwiesen haben, sollte die Brutfreiheit möglichst kontrolliert und nicht nur angenommen werden.

Eingeschneite Bienenvölker im Winter – auch in der kalten Jahreszeit kümmern sich Imker um ihre Bienenvölker.

Wann beginnt für Bienen der Winter? Ein festes Datum gibt es nicht. Temperatur, Standort und Witterungsverlauf bestimmen, wann die Flugaktivität stark zurückgeht und sich die Bienen enger zur Wintertraube zusammenschließen. Deshalb gehen Herbst- und Winterarbeiten in der Imkerei fließend ineinander über.