Die kleine Schwarzwaldimkerei
Manche Imkereien wachsen immer weiter. Andere entscheiden sich ganz bewusst dafür, eine Größe zu wählen, bei der Qualität, Tierwohl und die Freude an der Arbeit im Mittelpunkt stehen. Genau diesen Weg gehen Axel und seine Partnerin mit ihrer kleinen Schwarzwaldimkerei in Bad Wildbad.
Im Podcast erzählt Axel, wie aus den ersten Bienenvölkern im Laufe der Jahre eine leidenschaftlich betriebene Imkerei entstanden ist. Was zunächst als Hobby begann, entwickelte sich Schritt für Schritt weiter. Zahlreiche Fort- und Weiterbildungen sorgten dafür, dass aus der Begeisterung für Bienen ein umfangreiches Fachwissen wurde. Heute betreiben die beiden ihre Imkerei mit großer Erfahrung und viel Herzblut – eingebettet in die abwechslungsreiche Landschaft des Nordschwarzwalds.
Dabei orientiert sich die Größe der Imkerei nicht nur an den gesetzlichen Rahmenbedingungen, sondern auch an der Frage, wie viele Bienenvölker sich neben dem Hauptberuf verantwortungsvoll betreuen lassen. Denn wer einmal erlebt hat, wie arbeitsintensiv die Schwarmzeit sein kann, versteht schnell, warum selbst 50 oder 60 Bienenvölker alles andere als ein kleines Hobby sind. Während dieser Wochen gehören Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage zur Normalität.
„Die Bienen zeigen dir sehr schnell, ob du es richtig machst – und sie verzeihen dir keine Fehler.“
Diese Begeisterung spürt man während des gesamten Gesprächs. Immer wieder wird deutlich, dass es nicht nur um Honig geht. Vielmehr stehen die Bienen, ihre Gesundheit und der respektvolle Umgang mit der Natur im Mittelpunkt. Genau das macht die kleine Schwarzwaldimkerei aus.
Honig aus dem Schwarzwald – Vielfalt statt Massenproduktion
Ein großer Vorteil des Nordschwarzwalds sind seine unterschiedlichen Landschaften. Rund um Bad Wildbad finden sich Wälder, Streuobstwiesen und zahlreiche Trachtpflanzen. Die Imkerei nutzt deshalb mehrere Bienenstände, die sich über verschiedene Standorte verteilen.
Insgesamt betreuen Axel und seine Partnerin acht feste Standplätze. Dabei stehen bewusst nur wenige Bienenvölker an jedem einzelnen Standort. Während manche Imkereien mehrere Dutzend Völker auf einer Fläche aufstellen, bevorzugen sie kleine Einheiten. Das reduziert das Risiko, dass Krankheiten oder andere Probleme gleich den gesamten Bestand betreffen. Gleichzeitig profitieren die Bienen von einem abwechslungsreichen Nahrungsangebot.
Ganz ohne Wanderimkerei geht es allerdings auch im Schwarzwald nicht. Für begehrte Honigsorten wie Kastanienhonig oder Robinienhonig werden einzelne Völker gezielt an andere Standorte gebracht. Das bedeutet für die Imker oft sehr frühes Aufstehen, denn die Bienen müssen noch vor Sonnenaufgang verladen werden. Trotzdem nehmen sie diesen Aufwand gerne in Kauf, weil ihre Kunden die besonderen Honigsorten schätzen.
Besonders stolz ist Axel auf den Sommertrachthonig seiner Region. Anders als klassische Sortenhonige vereint er die unterschiedlichsten Trachtquellen des Schwarzwalds – von Obstblüten über Ahorn und Linde bis hin zu Waldtrachten. Dadurch entsteht ein kräftiges, vielschichtiges Aroma, das sich von Jahr zu Jahr leicht verändert und den Charakter der jeweiligen Saison widerspiegelt.
Auch bei der Vermarktung setzt die kleine Schwarzwaldimkerei auf Vielfalt. Der Honig wird über den eigenen Onlineshop verkauft, findet seinen Weg in Bäckereien, Bioläden, eine Tankstelle sowie in die Tourist-Information von Bad Wildbad. Hinzu kommen Weihnachtsmärkte und der Verkauf direkt an der Haustür. Gerade dieser persönliche Kontakt ist Axel besonders wichtig. Besucher dürfen verschiedene Honigsorten probieren, Fragen stellen und oft auch einen Schluck Met oder Honiglikör verkosten. Für ihn gehört dieses persönliche Gespräch genauso zur Imkerei wie die Arbeit an den Bienenvölkern selbst.
„Wenn die Asiatische Hornisse kommt, kann sie dir in wenigen Wochen ganze Völker zerstören.“
Dieser direkte Austausch schafft Vertrauen. Die Kunden erfahren, wo ihr Honig entsteht, wie viel Arbeit dahintersteckt und warum regional erzeugter Honig weit mehr ist als ein gewöhnliches Lebensmittel.
Zwischen Honigfälschungen und Asiatischer Hornisse
Im letzten Teil des Gesprächs geht es um Themen, die viele Verbraucher kaum kennen. Dazu gehören einerseits die wirtschaftlichen Herausforderungen kleiner Imkereien und andererseits neue Bedrohungen für die Bienenvölker.
Auf Märkten erlebt Axel häufig zwei völlig gegensätzliche Reaktionen. Manche Besucher halten regionalen Honig für zu teuer. Andere wissen, wie aufwendig die Imkerei ist und wundern sich eher darüber, dass Imker von ihrer Arbeit überhaupt leben können. Im Gespräch erklärt er anschaulich, warum hochwertiger Honig seinen Preis hat und weshalb sich die Qualität eines regional erzeugten Honigs nicht mit billiger Importware vergleichen lässt. Besonders kritisch sieht er die zunehmenden Berichte über Honigfälschungen und gestreckte Importhonige, die das Vertrauen der Verbraucher erschweren.
Doch mindestens genauso groß sind die Herausforderungen direkt am Bienenstand. Neben Diebstahl und Vandalismus beschäftigt die Imkerei vor allem die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse. Diese invasive Art setzt Honigbienenvölker erheblich unter Druck. Axel schildert eindrucksvoll, wie ganze Völker unter dem permanenten Jagddruck der Hornissen geschwächt werden können. Durch spezielle Schutzvorrichtungen an den Beuten konnte die Situation inzwischen verbessert werden, dennoch bleibt die Asiatische Hornisse eines der wichtigsten Zukunftsthemen für viele Imkerinnen und Imker.
„90 % von dem, was im Supermarkt als Honig verkauft wird, hat mit echtem Honig oft weniger zu tun, als viele glauben.“
Gerade solche Einblicke zeigen, wie viel Arbeit und Verantwortung hinter jedem Glas regionalem Honig steckt. Während Verbraucher meist nur das fertige Produkt sehen, beschäftigen sich Imker täglich mit Wetter, Tracht, Bienengesundheit, Krankheiten und neuen Herausforderungen wie der Vespa velutina.
Die Podcastfolge mit der kleinen Schwarzwaldimkerei vermittelt deshalb weit mehr als einen Blick hinter die Kulissen einer Imkerei. Sie zeigt, wie viel Leidenschaft, Fachwissen und Engagement notwendig sind, um hochwertige regionale Lebensmittel zu erzeugen und gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Honigbienen zu leisten.
Wenn Sie erfahren möchten, wie der Alltag einer modernen Imkerei wirklich aussieht, warum manche Honigsorten nur durch Wanderimkerei entstehen und welche Herausforderungen Imker heute bewältigen müssen, dann lohnt sich das vollständige Gespräch mit Axel von der kleinen Schwarzwaldimkerei.
