Sternwaldhonig
Sternwaldhonig und Biene Fritz – Imkern im warmen Freiburg
Wenn Honig nach einem Ort schmeckt
Freiburg im Breisgau ist für vieles bekannt: für den Schwarzwald, die Nähe zu Frankreich und zur Schweiz, seine Fahrradkultur und die besondere Lebensart im Südwesten. Es ist aber auch eine Stadt, in der sich viele Menschen sehr bewusst mit regionalen Lebensmitteln beschäftigen. Genau hier beginnt die Geschichte von Sternwaldhonig.
In dieser Folge von „Imker im Gespräch“ treffen wir Michael Plietzsch. Seine Bienen stehen nicht irgendwo auf einer Wanderschaft zu den jeweils besten Trachten, sondern das ganze Jahr über an einem festen Standort am Rand des Freiburger Sternwalds. Was dort blüht, wächst und summt, prägt den Honig. Nicht ein vorhersehbarer Sortenname steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: Was hat dieser Ort in diesem Jahr hervorgebracht?
„Wir müssen irgendwie mit ihr (Asiatische Hornisse) leben.“
Das macht Sternwaldhonig zu mehr als einem Honig aus Freiburg. Er ist ein Standorthonig im eigentlichen Sinn. Gärten, alte Bäume, Linden, Robinien, der nahe Wald und die Jahreswitterung spielen zusammen – und jedes Jahr erzählt die Ernte eine etwas andere Geschichte.
Freiburg als Bienenstandort
Freiburg liegt am Übergang zum Schwarzwald und zugleich im warmen Oberrheingraben. Die Stadt gehört zu den heißeren Regionen Deutschlands; lange warme Phasen und vergleichsweise wenige Frosttage prägen das Klima zunehmend. Für Menschen klingt das nach Sonne, Café und südlichem Lebensgefühl. Für Bienen und Imker bedeutet es vor allem: Die Saison beginnt früh, das Nahrungsangebot kann vielfältig sein – und trotzdem bringt ein milder Winter ganz eigene Herausforderungen mit sich.
Michael beschreibt einen Standort, an dem Stadt, Gärten, Obstbäume, Grünflächen und Wald eng beieinanderliegen. Anders als in ausgeräumten Agrarlandschaften gibt es hier nicht nur eine kurze Blütezeit und anschließend eine lange Lücke. Gerade diese Mischung macht die Stadtimkerei spannend. Sie zeigt, dass ein Bienenvolk nicht zwingend mitten in der freien Feldflur stehen muss, um Nahrung zu finden.
„Das macht das Volk, nicht ich.“
Doch die klimatische Besonderheit hat auch ihre andere Seite. Warme Winter und lange Flugzeiten verändern die Bedingungen für die Bienenhaltung. Neue Herausforderungen wie die Asiatische Hornisse sind im Südwesten bereits sehr viel präsenter als in manchen anderen Regionen Deutschlands. In der Folge geht es deshalb nicht um romantische Bienenbilder allein, sondern um die Frage, wie verantwortungsvolle Imkerei unter veränderten Bedingungen aussehen kann.
Sternwaldhonig – bewusst klein und nah
Manche Imkereien wachsen, weil die Nachfrage steigt. Manche wandern mit ihren Völkern zu Raps, Akazie oder Waldtracht. Bei Sternwaldhonig ist der Weg ein anderer: überschaubar bleiben, den eigenen Standort kennen und den Honig dort verkaufen, wo die Menschen auch einen Bezug zu ihm haben.
Michael imkert mit einer begrenzten Zahl von Bienenvölkern. Das ist kein Versuch, möglichst viele Gläser zu produzieren, sondern eine bewusste Entscheidung für einen Rahmen, der zum eigenen Leben, zum Platz im Garten und zur persönlichen Arbeitszeit passt. Wer Honig regional kaufen möchte, denkt oft zuerst an kurze Wege. Im Gespräch wird deutlich: Kurze Wege sind nicht nur eine Entfernung auf der Landkarte. Sie bedeuten auch, dass der Imker die Landschaft, die Jahreszeiten und seine Kunden kennt.
Wie entsteht ein Produkt, das nicht auf maximale Menge, sondern auf nachvollziehbare Herkunft setzt? Und wie viel betriebswirtschaftliches Denken gehört dazu, wenn die Imkerei klein bleiben soll? Das sind Fragen, die weit über Freiburg hinausgehen – und für Honigliebhaber genauso interessant sind wie für andere Imker.
Biene Fritz – wo Café und Imkerei zusammenkommen
Nur wenige hundert Meter vom Bienenstand entfernt liegt Biene Fritz. Das kleine Café verbindet Kaffee, Kuchen, Begegnung und regionale Produkte mit der Welt der Bienen. Für Michael und seine Frau wurde es zu einem Ort, an dem aus einer praktischen Lösung etwas Eigenes entstand: Raum zum Arbeiten, ein Ort für den Verkauf und vor allem ein Platz, an dem Menschen mit Honig und Imkerei in Berührung kommen.
Bei Biene Fritz geht es nicht um eine austauschbare Verkaufsfläche. Das Café macht den Weg zum Honig sichtbar. Gäste können ein Glas Sternwaldhonig nicht nur kaufen, sondern erfahren, dass die Bienen ganz in der Nähe stehen. Aus dieser Verbindung entstehen auch besondere Formate: Führungen zum Bienenstand, Begegnungen mit Schulklassen und Abende, bei denen sich Genuss und Wissen verbinden.
Was passiert, wenn ein Café nach einer Biene benannt ist und der Honig nicht bloß Dekoration, sondern Teil der eigenen Geschichte wird? Die Folge zeigt, wie aus kleinen Entscheidungen eine glaubwürdige lokale Marke entstehen kann.
Was kostet regionaler Honig – und warum?
Über den Preis von Honig wird viel gesprochen. Manche Kunden vergleichen das Glas regionalen Honigs mit dem Angebot aus dem Supermarkt. Andere fragen sich, ob ein kleiner Imker überhaupt kostendeckend arbeiten kann. Michael spricht offen darüber, welche Glasgrößen er anbietet, warum er bewusst keine unbegrenzten Mengen verkaufen möchte und wie sich ein angemessener Preis in einer Stadt wie Freiburg vermittelt.
Dabei wird klar: Regionaler Honig ist nicht automatisch ein Luxusprodukt. Aber er lässt sich auch nicht allein über den Rohstoffpreis erklären. Hinter jedem Glas stehen Pflege, Ernte, Schleudern, Gläser, Lagerung, Verkaufswege und viele Stunden Arbeit. Sternwaldhonig steht damit beispielhaft für eine Imkerei, die nicht nur Honig erzeugt, sondern Verantwortung für das ganze Produkt übernimmt – vom Bienenvolk bis zum Regal.
„Ich greife relativ wenig in die Völker ein.“
Auch die Vertriebsfrage kommt zur Sprache: Muss eine kleine Imkerei überall erhältlich sein? Oder kann gerade die Konzentration auf wenige, passende Orte ein Vorteil sein? Für alle, die regionale Lebensmittel nicht nur kaufen, sondern ihre Herkunft verstehen möchten, bietet diese Folge viele Denkansätze.
Eine Folge über Bienen, Stadtleben und Haltung
Diese Podcastfolge ist keine Anleitung zum Imkern. Sie ist eine Begegnung mit einer Haltung: mit dem Wunsch, möglichst nah am eigenen Standort zu arbeiten, den Völkern Raum zu lassen und Menschen für die Welt der Bienen zu begeistern.
Wir sprechen über den Wert von Erfahrung, über Schulklassen am Bienenstand und über die manchmal zugespitzte Debatte zwischen Honigbienen- und Wildbienenschutz. Müssen diese Gruppen gegeneinanderstehen? Oder haben sie nicht viel mehr gemeinsame Interessen, wenn es um blühende Landschaften, weniger Belastung und einen bewussteren Umgang mit Insekten geht?
Hör jetzt in die Folge mit Michael von Sternwaldhonig hinein und entdecke, wie eng in Freiburg Bienen, Gärten, Wald, regionale Vermarktung und das Café Biene Fritz zusammengehören.
